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\"Lockung\" von Joseph von Eichendorff

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Hörst du nicht die Bäume rauschen Draußen durch die stille Rund? Lockts dich nicht, hinabzulauschen Von dem Söller in den Grund, Wo die vielen Bäche gehen Wunderbar im Mondenschein Und die stillen Schlösser sehen In den Fluß vom hohen Stein? Kennst du noch die irren Lieder Aus der alten, schönen Zeit? Sie erwachen alle wieder Nachts in Waldeseinsamkeit, Wenn die Bäume träumend lauschen Und der Flieder duftet schwül Und im Fluß die Nixen rauschen – Komm herab, hier ists so kühl „Hörst du nicht die Bäume rauschen / Draußen durch die stille Rund?“ Joseph von Eichendorffs Lockung beginnt wahrlich nicht mit einer Frohlockung. Es klingt eher nach Vorwurf, was wir in der ersten Strophe vernehmen. Die fast aufdringliche Frage-stellung im Kreuzvers würde, in unsere Zeit übertragen, wohl heißen: Was sitzt ihr hier in euren Wohnstuben vor diversen Bildschirmen herum, wo da draußen das, was von der Natur noch übrig ist, auf euch wartet? Es ist dann die Gewalt der Assoziationen, die den Geist der Romantik dominieren lässt. Aufwühlende Landschaften rufen Erinnerungen wach. Der Dichter fragt noch immer, doch klingt es versöhnlich: „Kennst du noch die alten Lieder / Aus der alten, schönen Zeit?“ Und dann wird aus der Verlockung träumender Bäume, schwül duftender Flieder und rauschender Nixen doch noch eine konkrete Lockung: „Komm herab hier ist’s so kühl.“ Der Spätromantiker gibt sich in diesem letzten Vers stärker zu erkennen als in allen vorangegangenen, anklagenden und doch verführenden Naturbildern. Von wo herab? Vielleicht sogar vom Himmel? Wer hier beim Lesen in der richtigen (Miss)Stimmung ist, könnte schnell metaphysischen Gedankenanwandlungen erliegen. Wen wundert’s? Wir befinden uns mit Joseph von Eichendorff in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wieder mal ging eine „schöne, alte Zeit“ zu Ende und eine neue, das Industriezeitalter, tauchte am Horizont auf. Dass es nur für Wenige Wohlstand, aber für Viele weiterhin bittere Armut bringen sollte, ist heute geschichtliche Gewissheit. Geisterte es aber bereits durch Eichendorffs Lockung als böse Vorahnung?
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Anton Potche. “Interpretation.” Atelier, Poezie.ro, https://poezie.ro/atelier/anton-potche/eseu/144480/interpretation

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