POEM
de Admiel Kosman(2006)
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Schau, die Stille schmilzt dahin
zwischen den Brüsten des Abends,
der sie mit großen Wolken verdeckt, mit weichen,
über dem Laken des Horizontes.
Ein wenig unter ihm, darunter,
als ob die Welt durchschnitten wird
von einer glühend roten Linie,
dem schamlosen Streifen der runter-
gezogenen Unterhose des Tages.
Am Himmel stehen schon geschrieben mit
unsichtbarer Tinte die Verbote:
Die zehn eingemeißelten Sachen
gab man dem Volk als Geschenk.
Ausführlich. Ausführlich und streng wie nichts anderes.
Niemand kann jetzt in der Gefahrenzone
herumstreunen!
Aber unten, höre, wirklich unten
und jenseits der Zäune, unter
der Nase von Gott, gibt es einen Dichter.
Zitternd. Mager. Bleich. Kriechend - wie eine
kleine Eidechse - unter dem Zaun,
hinein in die Finsternis wechselnder
verschiedener Farben.
Er klettert langsam -
denn er ist blind - über die Mauer.
Er schreibt ein Riesengraffito, erstaunlich,
Wort für Wort, das ganze Gedicht,
unter der Nase von Gott -
Hast du gehört? Unter der Nase -
es werden kommen diese verfluchten Zeilen!
(Ubersetzung : Dr. Dietrich Tost )
